Wer reagiert um wie viel Uhr auf Online-Umfragen?

Wenn unser Forschungsteam bei SurveyMonkey eine Meinungsbefragung bei einem unserer Medienpartner veröffentlicht oder die wöchentlichen Zustimmungsraten für US-Präsident Donald Trump herausgibt, dann verwenden wir dafür Daten, die wir mit unserer eigenen Methodik gesammelt haben. Etwa 3 Millionen Menschen beteiligen sich tagtäglich an Umfragen, die von unseren Benutzern auf SurveyMonkey erstellt wurden, und einen kleinen Teil dieser Befragten bitten wir nach Abschluss der Beantwortung, noch an einer unserer eigenen Umfragen teilzunehmen.

Wie viele Befragte wir hierzu bringen können und wie groß die Menge der Teilnehmer ist, hängt erheblich von der Tageszeit und dem Wochentag ab. Das trifft natürlich auch auf SurveyMonkey-Umfragen sowie auf den gesamten Internetdatenverkehr generell zu. So pflegen die meisten Menschen nachts zu schlafen, und deswegen bekommen wir in den Nachtstunden weniger Beantwortungen als an Werktagen zwischen 9 und 17 Uhr.

Allerdings lässt sich eine Frage dadurch noch nicht beantworten: Wirkt sich diese natürliche tageszeitbedingte Fluktuation auch auf die Beantwortungen aus, die wir erhalten? Traditionelle Meinungsforschung basiert auf Telefonbefragungen. Hierdurch sind die Tageszeiten, an denen die Befragten erreichbar sind, ohnehin bereits beschränkt: Sie werden einen solchen Anruf wohl kaum vor 9 Uhr erhalten (wohingegen die größte Wahrscheinlichkeit für den Moment besteht, in dem Sie Platz genommen haben, um das Abendessen einzunehmen). Würden wir, wenn wir die Tageszeitabschnitte erweitern könnten, in denen wir Umfragen durchführen, möglicherweise eine andere Population von Befragten ansprechen können? Unterscheiden sich Menschen, die um 9 Uhr antworten, von jenen, die wir um 17 Uhr erreichen – oder auch um 2 Uhr morgens?

Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir uns die Daten, die wir bei unseren SurveyMonkey Election Tracking-Umfragen in den fünf Wochen vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 erfasst haben, einmal genauer angesehen. Diese Daten stammten von insgesamt 219.431 Befragten. Für alle Befragten haben wir demografische Basisinformationen (Alter, Geschlecht, Ethnie, Bildungsstand, Bundesstaat des Wohnorts usw.), Parteipräferenz (d. h. ob sie sich als Republikaner, Demokraten oder unabhängig betrachteten) und Wahlabsicht untersucht (ob sie vorhatten, für Hillary Clinton oder Donald Trump zu stimmen). Außerdem haben wir die relevanten Paradaten erfasst. Hierzu gehören etwa der Abschlusszeitpunkt der Umfragebeantwortung oder das verwendete Gerät (iPhone, Desktopcomputer usw.).

Mithilfe dieser Daten konnten wir eine Vielzahl von Beantwortungen im Verlauf eines Tages, einer Woche oder eines noch größeren Zeitraums betrachten. Wir haben einige interessante Muster erkannt, und nachdem wir unsere Ergebnisse beim letzten Treffen der American Association for Public Opinion Research (AAPOR) präsentiert haben, möchten wir unsere Erkenntnisse auch mit den Lesern unseres Blogs teilen.

Am Wochenende ist alles anders

Die folgenden Diagramme zeigen, welcher Anteil der Beantwortungen zu verschiedenen Tageszeiten erhalten wurde – von 0:00 Uhr bis 23:59 Uhr. Das erste Diagramm macht schon eine Sache ziemlich klar:  Die Werktage ähneln sich stark, während Tage am Wochenende eigene Muster aufweisen.

Von allen Personen, die eine unserer Umfragen an einem Montag in den fünf Wochen vor den Wahlen beantworteten, haben dies jeweils weniger als 2 % in den einstündigen Zeitabschnitten zwischen Mitternacht und 6 Uhr getan. An Montagen nahm die Beantwortungshäufigkeit etwa gegen 7 Uhr zu. Diese Entwicklung setzte sich am Vormittag fort, wobei der Spitzenwert um 10 Uhr erreicht wurde. Um die Mittagszeit ist eine Abnahme zu erkennen, bevor dann um 14 Uhr ein noch höherer Spitzenwert zu verzeichnen ist. Danach fällt die Kurve bis zum nächsten Morgen ab. Die Daten für die Zeiträume zwischen den Dienstagen und den Freitagen bestätigen dieses Muster: Die Beantwortungen nehmen während der Vormittagsstunden zu, fallen dann ab, wenn alle zu Tisch gehen, nehmen kurz danach wieder deutlich zu und sinken dann im Laufe des Nachmittags und Abends bis zum nächtlichen Tiefpunkt.

Am Wochenende hingegen sieht die Sache ganz anders aus! Ähnlich wie an Werktagen steigt die Anzahl der Beantwortungen am Samstagmorgen beginnend am frühen Morgen bis etwa gegen 10 Uhr an, schwächt sich dann aber über den Rest des Tages ab und nimmt nicht mehr zu. Offenbar haben die Menschen am Samstagnachmittag und -abend besseres zu tun als Umfragen zu beantworten. Im Gegensatz dazu steigt die Beantwortungsanzahl an Sonntagen langsam, aber stetig über den gesamten Tag an. Der Spitzenwert wird erst um 21 Uhr erreicht – wahrscheinlich der Zeitpunkt, zu dem die meisten Menschen bereits wieder online gegangen sind, um sich auf die vor ihnen liegende Woche vorzubereiten.

Demografische Daten

Bei Umfragen werden demografische Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, Ethnie und Bildungsgrad meistens analysiert, um sicherzustellen, dass die Befragtenstichprobe repräsentativ ist. Wir tun dies auch bei unseren SurveyMonkey-Meinungsbefragungen, aber trotzdem wollten wir feststellen, ob sich irgendein Beantwortungsmuster erkennen lässt.

Wie die obigen Diagramme zeigen, gibt es bei Befragten mit unterschiedlichen demografischen Eigenschaften nur sehr geringe Abweichungen beim Zeitpunkt der Beantwortung. Der Anteil der Männer, die an einem Werktag zu einer bestimmten Uhrzeit eine Umfrage beantworten, ist praktisch identisch mit dem Anteil der Frauen, die die Umfrage im gleichen Zeitraum abschließen. Jüngere Befragte zwischen 18 und 34 beantworten Umfragen tendenziell ein bisschen später, aber trotzdem ist grundsätzlich das gleiche Muster wie bei älteren Befragten zu erkennen. Analog gibt es im Verlauf eines typischen Werktags praktisch keinen Unterschied bei den Beantwortungsmustern der Angehörigen verschiedener Ethnien oder Bildungsgrade.

Politik

Ähnlich wie bei den demografischen Daten sind auch in puncto Parteipräferenz und politische Einstellungen nur sehr geringe Schwankungen bei den Beantwortungen auszumachen. Falls Sie angenommen hatten, dass Republikaner früh aufstehen, um Sendungen wie „Fox & Friends“ nicht zu verpassen, während Demokraten lieber lange aufbleiben, um die Rachel-Maddow-Show zu sehen, müssen wir Sie enttäuschen: Eine solche Aussage lässt sich durch unsere Daten nicht belegen. Wir haben vielmehr zu den unterschiedlichen Tageszeiten eine ähnliche Verteilung der Befragten nach Parteipräferenz erkennen können. Auch die Muster von Befragten, die wahlweise für Donald Trump oder Hillary Clinton zu stimmen beabsichtigten, waren identisch.

Große Abweichungen bei mobilen Nutzern

Während sich bei den demografischen Eigenschaften und den politischen Vorlieben nur geringfügige Unterschiede ausmachen ließen, gab es einen anderen Faktor, bei dem der Beantwortungszeitpunkt im Laufe eines normalen Tages erheblich abwich:  der Gerätetyp. Immer mehr Menschen nehmen auf ihren Mobilgeräten an Umfragen teil – nach unserer letzten Zählung 35 % aller von SurveyMonkey Befragten allein in den USA. Auffällig ist das im Vergleich zu Befragten, die traditionelle Geräte wie Desktopcomputer oder Laptops nutzen, sehr unterschiedliche Beantwortungsmuster.

Am Wochenende sind dabei nur relativ kleine Abweichungen zwischen Menschen, die Umfragen auf Mobilgeräten beantworten, und Nutzern anderer Geräte festzustellen. An Werktagen hingegen sieht die Sache ganz anders aus! Unter der Woche bearbeiten die meisten SurveyMonkey-Befragten unsere Umfragen auf Desktop-PCs und Laptops, weswegen die Verteilung der Benutzer nicht-mobiler Geräte an einem normalen Werktag der oben bereits beschriebenen Gesamtverteilung (mit Spitzenwerten um 10 und 14 Uhr) weitgehend entspricht. Die Verteilung der mobilen Befragten während der Woche sieht hingegen vollkommen anders aus: Die Trendlinie steigt im Laufe des Tages konstant an, erreicht am Nachmittag ein Plateau und fällt dann zum Abend hin langsam wieder ab. Insgesamt betrachtet bedeutet das, dass Befragte Umfragen während des Tages eher mit einem Computer bearbeiten, während die Wahrscheinlichkeit für die Nutzung eines Mobilgeräts zum späten Nachmittag und Abend hin zunimmt.

Warum ist das wichtig?

Die meisten Menschen haben relativ vorhersehbare Tagesabläufe:  Sie stehen auf, gehen zur Arbeit, essen zwischendurch etwas, arbeiten dann weiter, verbringen Zeit mit Familie oder Freunden und gehen ins Bett. Und am nächsten Tag geht es von vorne los. Es zeigte sich, dass wir bei der Beantwortung von Umfragen ähnliche Muster erkennen. Sobald wir diese Muster besser verstehen – insbesondere solche im Zusammenhang mit der Beantwortung auf Mobilgeräten –, können wir unser Ziel, die Menschen dann anzusprechen, wenn es für sie optimal ist, in Zukunft vielleicht noch besser erreichen.

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