Wie Du Umfrageteilnehmer dazu bringst, relevante Antworten zu geben

Was macht einen guten Respondenten aus?

Einer der Vorteile von Online-Umfragen ist: Sie sind einfach. Mit ein paar Klicks geben Dir die Teilnehmer genau die Infos, die du brauchst.

Doch gerade wegen dieser Leichtigkeit ist es wichtig, dass Deine Teilnehmer trotzdem über ihre Antworten genau nachdenken, damit Du relevante Ergebnisse erhälst.

Wenn Respondenten die Umfrage einfach nur schnell ausfüllen, ihr also nicht die volle Aufmerksamkeit schenken, dann nennt man das „Satisficing“ – eine Wortschöpfung aus dem Englischen, bestehend aus „satisfying“ (zufriedenstellend) und „suffice“ (ausreichen). Satisficing ist ein Problem, mit dem Umfrage-Ersteller weltweit zu kämpfen haben. Es führt zu minderwertigen Daten, die sich massiv auf die Schlussfolgerungen auswirken, die man aus ihnen zieht.

Aber man kann die Teilnehmer dazu motivieren, wertvolle Antworten zu geben anstatt nur ausreichende.

Warum kommt es oft zum Satisficing?

Manche „Satisficer“ sind einfach zu bequem, um bei der Umfrage mitzudenken. Doch sehr häufig geben Satisficer auch keine relevanten Antworten, weil die Umfrage Schwachstellen aufweist. Hier sind die drei Hauptfehler:

1. Die Frage ist verwirrend gestellt

Hierbei handelt es sich um Fragen, die schwer zu verstehen sind.  Sie sind kompliziert, voll mit Fachwörtern oder grammatikalisch falsch. Es besteht die Gefahr, dass die Teilnehmer schon die Aufmerksamkeit verlieren, bevor sie die Frage vollständig durchgelesen haben. Selbst wenn diese Respondenten eine Antwort liefern, wird es wahrscheinlich keine besonders nützliche sein.

2. Die Frage ist zu überladen

Manche Fragen überfordern die Teilnehmer einfach. Ein Beispiel: Dir wird die Frage gestellt, wie oft Du im vergangenen Jahr mit dem Flugzeug geflogen bist.  Wie würdest Du drauf antworten?

Vielleicht hast Du die Antwort sofort parat, weil du weißt, dass Du das ganze Jahr über nicht geflogen bist. Oder vielleicht hast Du sämtliche Deiner Reisebuchungen auf dem Smartphone gespeichert, so dass Du sie gleich nachschlagen kannst. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit wirst Du eine Schätzantwort geben – und das ist ein perfektes Beispiel für Satisficing.

3. Die Antwortmöglichkeiten passen nicht

Die Respondenten finden keine Antwortmöglichkeit, die ihrer Meinung oder Haltung zur Frage entspricht. Trotzdem antworten sie.  Auch das ist ein klassischer Fall des Satisficing. Die Befragten geben suboptimale oder reine Annäherungsantworten.

Vielleicht handelt es sich um eine Multiple-Choice-Frage, bei der eine notwendige Antwortmöglichkeit fehlt. In diesem Fall wählen die Teilnehmer eine Option, die ihrer eigentlichen Meinung am nächsten kommt. Dieses Verhalten wirkt sich negativ auf den Wert der erhobenen Daten aus.

Vielleicht gibt es eine offene Frage, die schwer zu beantworten aber erforderlich ist, um auf die nächste Seite der Umfrage zu kommen. Satisficer geben dann oft unbefriedigende Antworten oder einfach nur Nonsens ein.

Sieben Tipps, um Deine Respondenten zu ernsthaften Antworten zu bringen

Doch es gibt Mittel, um aus Satisficern wertvolle Respondenten zu machen:

1. Würfel die Reihenfolge der Antwortoptionen durcheinander

Satisficer wählen sehr oft die erste Option bei mehreren Antwortmöglichkeiten. Indem man die Optionen bunt durcheinander würfelt, bekommt die erste Antwort nicht mehr die größte Aufmerksamkeit.

Ein Beispiel: Du bittest die Teilnehmer, ihren Lieblingssnack aus einer Liste zu wählen. Satisficer tendieren dazu, den ersten Snack  anzukreuzen, den sie mögen oder an den sie sich erinnern, ohne dass sie den Rest der Liste bis zum Ende durchgehen.

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Tipp:
Um diese Art von verzerrter Wahrnehmung zu verhindern, sollte man die Multiple-Choice-Antwortoptionen mischen, wenn die Reihenfolge nicht relevant ist.

2. Begrenze die Größe der Fragen-Matrix

Matrix-Fragen sind eine einfache Möglichkeit, damit Umfrageteilnehmer mehrere Fragen mit denselben Wahlmöglichkeiten schnell und bequem beantworten können. Doch es besteht auch die Gefahr, dass sich der Respondent nur schnell durch klickt.

Indem Du die Größe der Matrix einschränkst, verhinderst Du, dass die Respondenten sich in einem riesigen Raster von Optionen verlieren.

Tipp:
Generell sollte eine Matrix eine Größe von fünf Spalten und jeweils zehn Zeilen nicht überschreiten.

3. Vermeide unnötige Fragen 

Nicht jede Frage ist für jeden Teilnehmer gleich wichtig. Wenn Du eine Frage stellst, deren Beantwortung erforderlich ist, um zur nächsten Seite zu navigieren, können die Befragten gezwungen sein, eine Antwort zu wählen, mit der sie möglicherweise nicht übereinstimmen.

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Tipp:
Wenn eine Frage nicht wirklich essentiell ist, dann sollte der Respondent auch nicht gezwungen werden, sie zu beantworten.

4. Mach die Umfrage abwechslungsreich

Umfrageteilnehmer neigen dazu sich auszuklinken, wenn dieselbe Art von Frage wiederholt gestellt wird. Wenn es erforderlich ist, eine Reihe fast identischer Fragen zu stellen, dann solltest Du sie in verschiedene Abschnitte aufteilen oder über die gesamte Umfrage verteilt, an unterschiedliche Stellen streuen.

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Tipp:
Benutze möglichst unterschiedliche Fragetypen, Formulierungen und Seitenumbrüche. So bleiben die Umfrageteilnehmer fokussiert. Beispielsweise könntest Du Ranking-Fragen, die sich ähneln, mit offenen Fragen voneinander trennen.

5. Überlege genau, wie Du die Reihenfolge der Fragen festlegst

Je mehr sich die Befragten dem Ende der Umfrage nähern, desto eher sind sie bereit ehrliche und ernsthafte Antworten zu geben.

Als Faustregel gilt daher, die leichteren und grundlegenderen Fragen besser an den Anfang zu stellen.

Tipp:
Wenn Du ein paar Fragen hast, die mehr Konzentration verlangen, dann lass sie möglichst erst am Ende beantworten.

6. Unpräzise Fragen führen zu unpräzisen Antworten

Wie Du eine Frage stellst, bestimmt auch die Antwort, die Du erhälst. Wenn Du offene Fragen nicht spezifisch genug formulierst, um deutlich zu machen, um was es Dir geht, werden die Teilnehmer Dir auch keine präzisen Antworten geben.

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Tipp:
Benutze offene Fragen nur, wenn Du direktes Feedback willst, die Befragten Informationen mit eigenen Worten liefern sollen oder Du ungewöhnliche Antworten erhalten möchtest. Stelle ansonsten nur geschlossene Fragen, damit den Respondenten klar wird, welche Antworten relevant sind.

7. Zeige den Befragten gegenüber Respekt für ihren Zeitaufwand

Lange und eintönige Umfragen werden für die Teilnehmer schnell frustrierend. Das kann dazu führen, dass sie die Umfrage nicht mehr ernst nehmen. Die Umfragen sollten deswegen so kurz und nutzerfreundlich wie möglich sein.

Tipp:
Nutze den “Fortschritt-Balken”, der den Befragten anzeigt, wie weit sie schon gekommen sind und wie lange die Umfrage noch dauert. Am besten machst Du selbst ein paar Testdurchläufe, bevor Du eine Umfrage versendest, damit Du ein Gefühl dafür erhältst, ob sie benutzerfreundlich ist..

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Satisficing ist ein Problem, das alle Umfragen betrifft, egal ob sie nun persönlich, telefonisch, auf dem Papier oder online durchgeführt werden.

Ein großer Vorteil von Online-Umfragen ist die Möglichkeit, sie so zu gestalten, dass Satisficing nur noch eine kleine Rolle spielt, selbst wenn der Survey bereits verschickt wurde. Du kannst sofort präzise Datenqualitätsanpassungen vornehmen, ohne auf die Umfrageergebnisse warten zu müssen.

Natürlich kannst Du deine Respondenten nicht dazu zwingen, Deine Umfrage aufmerksam durchzugehen. Aber durch eine gute und klare Gestaltung kannst Du die Teilnehmer dazu bringen, Dir wirkliche nützliche Antworten zu geben. So wird Deine Umfrage spannender und die Qualität Deiner Daten besser.

Hast Du noch Anmerkungen oder Fragen zu diesem Thema? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder kontaktiere uns via Twitter.

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