Experteninterview: Mauro Rego über Big Data

In unserem aktuellen Experteninterview hat uns Mauro Rego von SAP über seine Herangehensweise an Big Data und die Herausforderung, diese ungefilterten Informationen auch im Berufsalltag anzuwenden, aufgeklärt.

Mauro_RegoMauro Rego, stellen Sie sich doch zu Beginn kurz vor.

Ich bin Design Consultant und seit zwei Jahren bei SAP tätig. Unser Team, das Design- und Co-Innovation Center, wurde vor drei Jahren gegründet, weil SAP gerne die Wahrnehmung der User-Erfahrungen mit ihren Produkten ändern würde. Mit diesem Ziel hat SAP auch mein Team gegründet – um eben eine bessere Erfahrung für den Kunden und die User zu schaffen. Also arbeiten wir als Design Consultants für SAP-Kunden mit SAP-Produkten. Wir überarbeiten somit bestehende und entwickeln neue Produkte – und beziehen uns dabei auf Ergebnisse von Benutzerforschung. So entwerfen wir die Standards, die später in die Produkte einfließen.

Können wir ein bisschen über Ihre Herangehensweise reden?

Die ist abhängig von dem jeweiligen Produkt. Aber wir versuchen grundsätzlich mit den Nutzern zu kommunizieren – auch wenn sich das manchmal schwierig gestaltet, weil die einzelnen Produkte sehr speziell auf ihren jeweiligen Markt abgestimmt sind. Wenn ich zum Beispiel medizinisches Personal recherchiere, kann ich dazu nicht meine Familie interviewen. Ich muss nach Leuten suchen, die einer sehr speziellen Zielgruppe angehören – und die sind häufig schwer zu finden. Es kann sogar passieren, dass unser Kunde nicht möchte, dass wir mit seinen Mitarbeitern sprechen, weil sie keine neue Software versprechen möchten. Es kann also etwas frickelig sein.

Deswegen haben wir verschiedene Strategien, um Einblicke von den Usern zu bekommen – in Workshops zum Beispiel. Oder wir nutzen das Netzwerk von SAP, um herauszufinden, was wir in Angriff nehmen müssen. Dabei arbeiten wir in Teams. Unser Team besteht aus 50 Leuten, die über die ganze Welt verteilt sind. Aber die meisten sitzen an drei Orten: Berlin, Heidelberg und Palo Alto. Die Hälfte sind Designer, ein paar kommen aus der IT-Branche, ein paar von uns haben einen Wirtschafts-Hintergrund.

Als wie wichtig erachten Sie im Rahmen Ihrer Arbeit Big Data?

Big Data ist unser Support-Tool, um Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dadurch bekommen wir ein Verständnis dafür, wie SAP HANA, unsere Big-Data-Plattform, funktioniert – die auch zugleich als unsere Datenbank-Technologie fungiert. Am Anfang fragen wir uns erst einmal: Wie können hiermit anfangen? Und in welchen Zusammenhängen?

Sagen wir, wir forschen zum Thema Asperger-Syndrom und es gibt verschiedene Patienten, die an einer klinischen Studie teilnehmen – und jeder einzelne hat individuelle Symptome. Dann stellen Sie sich vor, Sie müssen tausende, zehntausende Menschen aufzeichnen und diejenigen finden, deren Krankheitsverlauf zu ihrer klinischen Studie passt. Dann erst können wir eine Dienstleistung für ein Krankenhaus entwickeln, die diese Daten nutzt. Und Big Data ermöglicht genau diese Arbeit.

Wenn wir gerade bei SAP HANA sind: Auf der SAP-Webseite gibt es ein Beispiel mit Mercedes Benz. Die Firma hat mit HANA Daten gesammelt, die ihnen einen Arbeitstag mit Tests pro Woche gespart haben. Ich habe überlegt: Tests sind ein Produkt und Dienstleistungs-Design-Thema. Wie schätzen Sie als Designer die Relevanz der beiden Methoden, Tests und Big Data, im Vergleich ein?

Es kommt darauf an, welche Art von Daten man sammeln will. Zum Beispiel können 1000 Smart Cars durch die Stadt fahren und alle Daten an eine Plattform senden. Die Daten sind Informationen, aber man muss seine eigenen Erkenntnisse sammeln. Der Designer muss also die Geschichte erzählen und dafür die Daten interpretieren. Daten geben einem quantitative Informationen, sie übersetzen sich nicht selbst. Der Designer muss nach wie vor verstehen, was diese Daten bedeuten.

Big Data gibt einem somit einen Überblick, aber kein präzises Verständnis. Es kann sein, dass man zwar erfährt, dass in einem bestimmten Abschnitt von zehn Jahren die Unfallquote um 10% zurück gegangen ist. Aber man erfährt nicht, woran das liegt. Qualitative Daten werden mit Interviews und Tests erhoben, und diese Daten sind die Verbindung zwischen quantitativen Daten und der Realität. Quantitative Big Data ermöglicht einen perfekten Überblick darüber, was gerade passiert, ungefiltert. Sie könnten so zum Beispiel herausfinden, dass ich heute viel länger zur Arbeit gebraucht habe als gestern – aber die Zahl sagt Ihnen nicht, dass ich einen anderen Weg genommen habe, weil es ein sonniger Tag ist und ich einen kleinen Spaziergang machen wollte.

Wie benutzen Sie Big Data für Ihre Arbeit?

Wir benutzen Big Data häufig, wenn wir nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Dann fangen wir mit quantitativen Daten an, um die aktuelle Situation zu verstehen. Da weiß man noch nicht, was für genaue Fragen man eigentlich hat. Zum Beispiel Kunden-Zufriedenheit – man geht zum Beispiel aus, dass ein paar Kunden nicht zufrieden sind. Aber dann muss herausgefunden werden: Sind sie zufrieden? Und wie viele sind zufrieden?

Um das zu verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, Sie haben eine große Fläche Land und und möchten herausfinden, ob es da Gold gibt. Die quantitativen Daten geben Ihnen eine Menge Informationen – hohe Luftfeuchtigkeit an dieser Stelle, Dürre an jener, da hinten gibt es Wasser und eine bestimmte Chemikalie und so weiter. Aber die Daten können für Sie nicht nach Gold schürfen. Das müssen Sie selber machen. Und das ist der anstrengende Teil.

Also, um es zusammenzufassen: Mit Big Data findet man das Gold – und die qualitativen Daten sind die Schaufel, mit der man es aushebt. Danke für das Interview!

SAP ist führender Anbieter von Unternehmenssoftware mit Stammsitz in Walldorf in der Metropolregion Rhein-Neckar, einer der wirtschaftlich führenden Regionen Deutschlands. Seit der Gründung im Jahr 1972 hat sich SAP durch Innovation und Wachstum zum führenden Anbieter von Unternehmenssoftware entwickelt.

Hast Du noch Anmerkungen oder Fragen zu diesem Thema? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder kontaktiere uns via Twitter.

Tags: , , ,

Inspiriert? Mach Deine eigene Umfrage!

Inspiriert? Mach Deine eigene Umfrage!

Hinterlassen Sie einen Kommentar