3 Tipps für multikulturelle Umfragen

Multikulturelle UmfragenEgal, ob internationale oder nationale Umfragen für optimale Ergebnisse sollten mögliche kulturelle Unterschiede und Zusammenhänge immer mitberücksichtigt werden. Damit eine Umfrage auch in einer multikulturellen Umgebung erfolgreich ist, haben wir die drei wichtigsten Tipps zusammengestellt:

1. Anschauliche Beispiele verwenden

In vielen Umfragen werden Teilnehmer gebeten, Aussagen anhand einer Skala zu bewerten (z.B. von 1 bis 10). Doch hat eine Bewertung von 8 von 10 für jeden die gleiche Bedeutung ? Gerade bei Befragungen von Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen kann das ein Thema sein. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Normen besitzen, wie eine akzeptable oder typische Antwort auf eine Frage aussehen soll. Beispielsweise neigen Befragte aus asiatischen Ländern dazu, die mittlere Option auf einer Fünf-Punkte-Bewertungsskala auszuwählen. US-Amerikaner hingegen wählen vorranging die Extreme, d.h. 1 oder 5.

Ein Forscherteam der Universität Michigan wollte herausfinden, ob sie diese kulturellen Unterschiede ausgleichen können. Sie befragten Schweden, Chinesen und US-Amerikaner, wie sie ihr persönliches Schmerzempfinden bewerten. Dazu nutzten die Wissenschaftler folgende Bewertungsstufen: keine, leichte, moderate, starke und extreme. Bei Schweden und Chinesen gab es eine ähnliche Verteilung bei den Antworten: Knapp die Hälfte wählte die Antwort “Keine”. Der Rest verteilte sich über die anderen vier Optionen. Bei den Befragten aus den USA hingegen wählten ungefähr 50 Prozent die Bewertung “leichte”. Entsprach diese Einschätzung der Realität? Wahrscheinlich nicht.

Um diese Abweichungen zu beseitigen, hat das Forscherteam jeder Bewertungsstufe ein Beispiel zugeordnet, um so den Schmerzgrad genauer zu definieren  (z.B.”leicht”: Tim hat Kopfschmerzen, die nach der Einnahme von Aspirin verschwinden.) Mittels der genaueren Spezifizierung des Schmerzgrades durch Beispiele verschwand die Verzerrung der Ergebnisse in allen drei Ländern.

2. Die Sprache mit Bedacht wählen

Wenn eine Befragung von Personen, die mehrere Sprachen auf muttersprachlichem Niveau sprechen, geplant wird, könnte man meinen, es sei egal, in welcher Sprache der Fragebogen verfasst wird. Doch besteht hier das Risiko, dass die Befragten unbewusst den mit der jeweiligen Sprache verbundenen kulturellen Hintergrund mit in die Antworten einbeziehen. Das führt häufig zu einer Verzerrung der Ergebnisse.

Emilia Peytcheva vom RTI (Research Triangle Institute) untersuchte das Antwortverhalten von zweisprachig aufgewachsenen Teilnehmern (Englisch und Spanisch) in den USA. Diese füllten den Fragebogen entweder in Englisch oder Spanisch aus. Interessanterweise wurden je nach verwendeter Sprache die Fragen auch unterschiedlich beantwortet..

Beispielsweise bewerteten lateinamerikanische Teilnehmer Familienstolz höher, wenn sie in Spanisch statt Englisch befragt wurden. In einer anderen Befragung gaben bilinguale Einwanderer aus Lateinamerika die Anzahl ihrer biologischen Kinder im spanischen Fragebogen höher als im englischen an.

Diese Ergebnisse zeigen, dass zweisprachige Umfrageteilnehmer ein und dieselbe Frage in unterschiedlichen Sprachen unter Umständen auch unterschiedlich beantworten. Dies hängt auch davon ab, wie sie die Intention hinter und die Sensibilität der Fragen in der jeweiligen Sprache wahrnehmen.

3. Nicht auf soziale Medien zur Teilnehmer-Rekrutierung verlassen

Auf den ersten Blick scheint es sinnvoll, z.B. Facebook zu nutzen, um internationale Teilnehmer für Befragungen zu gewinnen. Forscher der Hokkaido Universität in Japan haben untersucht, ob man über Werbung auf Facebook wirklich eine repräsentativen Stichprobe von Befragten auf nationaler Ebene gewinnen kann.

Sie schalteten daher weltweit Facebook-Anzeigen und riefen dazu auf, am “World Relationships Survey” teilzunehmen. Dieses sollte aufzeigen, inwieweit die Teilnehmern frei über ihre zwischenmenschlichen Beziehungen entscheiden können. Die An

zeigen wurden für jedes Land individuell erstellt – mit kulturell passenden Grafiken und Texten, welche den Nutzen der Teilnahme hervorhoben: Die Möglichkeit, die eigenen Antworten mit denen der anderen zu vergleichen.

Die gute Nachricht war, dass sich die Anzeigen als sehr kosteneffektiv erwiesen: Nur ein Dollar musste durchschnittlich pro valider Antwort investiert werden. Jedoch waren die Antworten auf nationaler Ebene nicht repräsentativ. Aufgrund des Zielgruppenalgorithmus von Facebook waren die Befragen jünger und weiblicher und stellten somit keinen repräsentativen Durchschnitt des jeweiligen Landes dar.

Aus diesem Grund sollte man bei der Suche nach möglichen Befragten nicht auf soziale Netzwerke vertrauen, sondern auf echte Befragungs-Panels.

Wer bei der Planung seiner multikulturellen Umfrage diese drei Tipps umsetzt, dem steht zur Gewinnung aussagekräftiger Ergebnisse nichts mehr im Weg.

Hast Du noch Anmerkungen oder Fragen zu diesem Thema? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar oder kontaktiere uns via Twitter.

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