Experteninterview: Thomas Schörner über das Internet of Things

Auf der diesjährigen CeBIT, die ja am kommenden Montag beginnt, ist eines der Top-Themen das Internet der Dinge. Wir haben uns im Vorfeld von SAP-Mitarbeiter Thomas Schörner ein wenig über das Thema aufklären lassen.

thomas_schörnerHerr Schörner, beschreiben Sie uns doch zum Einstieg Ihre Position bei SAP.

Ich bin User Experience Designer bei SAP. Ich arbeite seit zwei Jahren dort und bin Design Lead für den Bereich „Internet of Things“.

Können Sie uns etwas über den Begriff „IoT“ erzählen? Er ist zwar in aller Munde, aber die meisten können sich noch nicht vorstellen, wie das ganze aussieht, wenn es über den Kühlschrank, der mit dem Supermarkt telefoniert, hinausgeht.

Das ist tatsächlich auch das klassische Beispiel aus dem Consumer-Bereich, welches ich immer zu erst nenne. (lacht) Aber wir machen ja auch sehr viel B2B. Mein Lieblingsprojekt ist eigentlich der „Hamburger Hafen“ – da sind wir beim Thema ‚Smart Port Logistics’. Es geht dabei darum, Container-Schiffe mit Lastkraftwagen und Straßen zu verbinden. Hintergrund ist hier, dass der Hafen wettbewerbsfähig bleiben und wachsen muss, sich aber aufgrund seiner Lage in der Stadt Hamburg physisch nicht erweitern kann. Er muss somit effizienter werden. Und das erreichen wir, indem wir die Ankunftszeiten der Schiffe mit denen der LKW´s, die die Container transportieren, koordinieren und synchronisieren – inklusive der Hubbrücken, Zufahrtsstraßen und Parkplätze, so dass ein möglichst effizienter Throughput entsteht und genau die Container da stehen, die auch transportiert werden sollen und der Hafen nicht blockiert wird und effizienter gemacht wird.

Gibt es eine gesellschaftliche Herausforderung, die Sie gerne mit den neuen Technologien lösen würden?

Das Internet of Things an sich ist eine gesellschaftliche Herausforderung, bei der alle Beteiligten Verantwortung übernehmen müssen. Das heißt, wir brauchen zu allererst einmal einen Diskurs über Chancen und Risiken der neuen Technologien. Die gesellschaftlichen Strukturen, Stadtstrukturen werden sich im Zuge dieser Entwicklung nachhaltig verändern und wir müssen jetzt gemeinsam überlegen, in welcher Zukunft wir leben wollen. Im Moment hängt der Diskurs noch hinter der technischen Entwicklung hinterher. In den Sechzigern wurden die Städte umgebaut für die neue Technologie „das Auto“. Jetzt bauen wir keine Stadt-, sondern Datenautobahnen.

Positive Entwicklungen, die ich da sehe, sind beispielsweise Smart-City-Projekte. Wir haben zum Beispiel in China mit dem ‚SAP Innovation Center Nanjing‘ ein Projekt, bei dem wir den Verkehrsfluss innerhalb der Stadt messen. Zuerst einmal über Taxifahrer, deren Fahrtrouten wir über das System nachvollziehen können und damit eben auch Spitzenzeiten herausfinden können. Wir können sehen: Was sind die Hauptzufahrtsstraßen zum Flughafen, welche Stadtviertel, welche Hauptstraßen werden zu welchen Zeiten am meisten befahren. Das nützt dann der Stadt Nanjing, weil man weiß, wo es sich lohnt, das öffentliche Verkehrsnetz auszubauen: Wo machen Bus- und U-Bahnlinien Sinn? Welche Verbindungen sind hochfrequentiert oder gar überlastet? Wo können Straßen zurückgebaut und mehr Grünflächen geschaffen werden, um die Lebensqualität zu erhöhen?

Ein anderes tolles Beispiel ist Dubai: Dort gibt es im Moment unheimlich viele Baustellen auf engstem Raum und überall gibt es Riesenkräne. Die stehen teilweise so eng, dass, wenn sie sich ungünstig drehen, sie sich gegenseitig umhauen würden. Inzwischen sind die Kräne miteinander vernetzt, so dass es keine unnötigen Unfälle gibt. Auch das ist Internet of Things.


Sie haben ja auch Design Thinking studiert, eine Nutzer-zentrierte und interdisziplinäre Methode, um Probleme zu lösen: Sehen Sie darin eine Möglichkeit,
die Herausforderungen, die auf uns zukommen, zu lösen? Können wir so Bürger, Unternehmen und Politik an einen Tisch bringen und die Stadt der Zukunft gemeinsam gestalten?

Auf jeden Fall mangelt es nicht an Beispielen, bei denen Design Thinking für Bürgerbeteiligung eingesetzt wurde. Beispielsweise wurde das Immigrationsverfahren der Stadt Singapur für Ausländer, die nach Singapur ziehen möchten, durch Prototyping, Testing und Iteration, von vier Wochen auf 24 Stunden verkürzt. Das ist natürlich erst einmal gut für alle Beteiligten, trägt teilweise aber bizarre Blüten: Das System ist jetzt so effizient, dass Menschen, die sich bewerben, manchmal innerhalb von einer Stunde eine Absage bekommen, sich gleich nochmal bewerben und so noch mehr Traffic generieren – man kann also tatsächlich auch zu effizient werden. Aber im Großen und Ganzen hat sich die Situation für die Bewerber enorm verbessert. Das ist zwar kein SAP-Projekt, aber trotzdem sehr schön.

Bei diesem Projekt wurde in einer Fabrikhalle der Prototyp für die neue Halle komplett mit Kartons aufgebaut und ein Teil der regulären Bewerber in diese Halle geschickt, wo auch der Anmeldeprozess durchgeführt werden konnte. Über mehrere Wochen hat man dort immer wieder neue Setups getestet und dann implementiert. Zum Beispiel hat man größere Anmeldekabinen mit Kinderecken geschaffen, weil festgestellt wurde, dass die meisten Bewerber ihre Familien zum Migrationsamt mitbringen. Vorher waren die Kabinen sehr eng, es wurde oft laut und der Prozess so verlangsamt. Man wird dort inzwischen auch nicht mehr mit einer Nummer aufgerufen, sondern mit dem Namen. So wird das ganze Verfahren menschlicher. Nachdem ein Setup getestet wurde, werden die Nutzer nach ihren Erfahrungen befragt und dann wird weiter verbessert. Dafür gibt es viele tolle Beispiele – und damit sind wir auch wieder bei meiner Kernbotschaft: User Research ist das A und O für gute User Experience.

Moment mal, User Research ist aber unser Lieblingsthema! User Research ohne Umfragen stelle ich mir schwierig vor.

Das ist es auch – Umfragen sind ein zentrales Tool, das man gar nicht oft genug nutzen kann.

Ich hätte da ein tolles Online-Tool, das ich Ihnen empfehlen kann – wie wäre es denn mit der SurveyMonkey Enterprise-Optionen für Unternehmen? (lacht) Aber jetzt mal Spaß beiseite. Vielen Dank für das Interview.

SAP ist führender Anbieter von Unternehmenssoftware mit Stammsitz in Walldorf in der Metropolregion Rhein-Neckar, einer der wirtschaftlich führenden Regionen Deutschlands. Seit der Gründung im Jahr 1972 hat sich SAP durch Innovation und Wachstum zum führenden Anbieter von Unternehmenssoftware entwickelt.

Bist Du auch in der nächsten Woche auf der CeBIT? Dann nutze doch die Chance und besuche am Montag, 16. März um 11.50 Uhr den Vortrag unseres SurveyMonkey-CEO Dave Goldberg zum Thema “Finding the Voice in Big Data”.

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