Wie Du sensible Fragen stellen solltest – und wie nicht

WinterWomanSmall1-320x350Die meisten von euch kennen die Situation: Deine Großmutter feiert zum Beispiel einen runden Geburtstag – und Deine gesamte Verwandtschaft rückt an. Also Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, Schwipp-Schwager und überhaupt … einfach alle.

Als Du gerade auf der Feier ankommst, zeigt direkt Deine Tante Petra auf Dich und ruft: „Hast Du etwa keine Begleitung dabei?“ Du zuckst zusammen, bringst ein verkrampftes Lächeln zustande und stammelst irgendetwas von einem Stück Kuchen, das Du genau jetzt holen musst. Auf Deinem Weg zum Kuchen-Buffet halten Dich Deine Tante Miriam und Deine Tante Elisabeth auf. Beide stellen Dir dieselbe Frage wie Deine Tante Petra – nur in einer viel geringeren Lautstärke. Als Tante Miriam bemerkt, dass Du zögerst, beruhigt sie Dich mit den Worten: „Keine Angst, ich werde nichts weiter erzählen.“ Tante Elisabeth fügt hinzu: „Wir sind nur so neugierig, weil wir letztens einen Artikel gelesen haben, in dem stand, dass eure Generation soviel arbeiten muss, dass sie kaum Zeit für Beziehungen hat. Findest Du das auch?“

Plötzlich fängst Du an zu erzählen – und zwar viel mehr als Du eigentlich vor hattest. Und Du hoffst, dass Deine Tante Petra auf keinen Fall etwas mitbekommt. Du möchtest auf keinen Fall zum Thema ihrer Tratscherei werden.

Was das mit Umfragen zu tun hat?

Wie wir schon einmal festgestellt haben, funktionieren gute Umfragen wie Unterhaltungen. Das heißt, dass es gewisse Kommunikations-Grundregeln gibt, die sowohl für Unterhaltungen als auch für Umfragen gelten:

– Leute beantworten nicht gerne Fragen zu ihrem Privatleben oder zu sensiblen Themen. Da sich Teilnehmer somit dabei unwohl fühlen, wenn die Fragen zu sehr ins Persönliche driften, neigen sie dazu, diese Fragen zu überspringen oder gleich die Umfrage abzubrechen.

– Leute beantworten Fragen zu ihrem Privatleben oder zu sensiblen Themen oft nicht wahrheitsgemäß. Teilnehmer neigen dazu, so zu antworten, dass sie gut weg kommen. Das Phänomen wird „Soziale Erwünschtheit“ genannt und verzerrt Deine Umfrage-Ergebnisse. Wenn zum Beispiel gefragt wird, ob Deine Teilnehmer bei einem Test geschummelt haben oder wählen gegangen sind, werden sie höchstwahrscheinlich antworten, dass sie ehrlich und an der Wahlurne waren. Und das unabhängig davon, ob es stimmt oder nicht.

Was Du daraus schließen kannst?

1. Denk an Tante Miriam: Mache klar, dass die Umfrage anonym ist und keine Daten weitergegeben werden.

Am wichtigsten ist, dass Du klarstellst, dass Du Daten wie Namen und die Adresse bei der Auswertung nicht mit den Ergebnissen zusammenbringen kannst. Wenn Deine Teilnehmer wissen, dass ihre Antworten nicht auf sie zurückverfolgt werden können, werden sie wahrheitsgemäßer antworten.

2. Denk an Tante Elisabeth: Feile an Deiner Fragestellung.

Es gibt zwei Arten wie Du das anstellen kannst:

a) Formuliere Deine Frage so, dass es wirkt, als wären alle Antwortmöglichkeiten normal oder akzeptabel. Falls Du zum Beispiel danach fragst, ob Deine Teilnehmer oft ihren Sport ausfallen lassen, solltest Du die Frage so stellen: „Immer, wenn wir uns mit Leuten über das Thema Sport unterhalten haben, kam heraus, dass die meisten soviel arbeiten, dass sie ihr Training ständig ausfallen lassen. Wie oft treibst Du denn Sport?“ Selbst falls das befragte Verhalten nicht wirklich peinlich ist, antworten Deine Teilnehmer auf so eine Fragestellung trotzdem ehrlicher.

b) Betone, dass Du nach einer persönlichen Meinung fragst und nicht nach einem pauschalen Statement. Falls Du zum Beispiel einen Arbeitnehmer bittest, seinen Chef zu bewerten, wird er sich bei einer negativen Antwort unwohl fühlen. Du kannst ihm etwas von seiner Befangenheit nehmen, indem Du die Frage mit den Worten „Deiner Meinung nach …“ einleitest.

Und was immer Du nun vorhast, denke dran: Niemand mag Tante Petra! Viel Spaß dabei.

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