Der ultimative Leitfaden: Wie Sie Fragen für qualitative Forschung formulieren

Erforschen Sie mit qualitativen Forschungsfragen das „Warum“ und das „Wie“ hinter Verhaltensweisen, Erfahrungen und Überzeugungen. 

Umfrage mit einer Frage zur Meinung über die/den Vorgesetzte:n.

Ihr Marketingteam möchte verstehen, wie Kundinnen und Kunden auf eine kürzlich gestartete Produktkampagne reagieren. Während quantitative Daten wie Werbungsaufrufe oder Zustimmungsquoten erste Erkenntnisse liefern, braucht es für ein tieferes Verständnis Fragen für qualitative Forschung.

Qualitative Fragen liefern fundiertere Insights über die Erfahrungen und Wahrnehmungen Ihres Kundenkreises. Dadurch verstehen Sie das „Warum“ und das „Wie“ hinter Verhaltensweisen und Überzeugungen. Während quantitative Fragen messbare Daten erfassen, evaluieren qualitative Fragen die kaum messbaren Aspekte. 

In diesem Artikel erklären wir, warum und wann Teams Fragen für qualitative Forschung in der Marktforschung einsetzen sollten. Außerdem geben wir Beispiele und Tipps zum Erstellen effektiver Forschungsfragen.

Qualitative Forschungsfragen sind offene Fragen, die darauf abzielen, Gedanken, Gefühle, Motivationen und Erfahrungen von Menschen zu erfassen. Teams nutzen solche Fragen, um durch die Erhebung von umfassenden, nicht-numerischen Daten detaillierte Erkenntnisse zu gewinnen, die Kundenzufriedenheit zu steigern und die Markentreue zu fördern.

Qualitative Fragen können unterschiedlich formuliert sein, weisen aber meist folgende Gemeinsamkeiten auf: 

  • Offen: Im Gegensatz zur quantitativen Forschung können die Menschen bei qualitativen Fragen in ihren eigenen Worten antworten, statt aus vorgegebenen Optionen zu wählen. 
  • Explorativ: Effektive Fragen für qualitative Forschung sind so gestaltet, dass sie Insights über die Gedanken und Gefühle der Befragten liefern. 
  • Kontextorientiert: Qualitative Forschungsmethoden zielen darauf ab, das „Warum“ und das „Wie“ hinter Entscheidungen zu verstehen.
  • Flexibel und anpassbar: Gute Fragen für qualitative Forschung lassen sich im Interview oder in der Fokusgruppe je nach Antworten der Teilnehmenden anpassen.
  • Subjektiv: Qualitative Daten sind nicht leicht messbar, liefern aber wertvolle Details. 

Die qualitative Forschung bietet eine Vielzahl von Fragetypen, die jeweils unterschiedliche Erkenntnisse liefern. Damit Sie entsprechende überzeugende Fragen formulieren können, stellen wir zunächst die wichtigsten Fragetypen vor und geben dann zum besseren Verständnis jeweils fünf Beispiele aus der Praxis.

Deskriptive Fragen dienen dazu, einfache Informationen über die Erfahrungen oder Verhaltensweisen der Teilnehmenden zu erfassen. Sie helfen qualitativen und quantitativen Forschenden, die Situation der Befragten zu verstehen, also das Wer, Was, Wann und Wo.

Beispielfragen: 

  1. Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
  2. Welche Tools oder Produkte nutzen Sie in Ihrer Arbeit am häufigsten?
  3. Wo informieren Sie sich in der Regel, wenn Sie etwas über [Thema] wissen möchten?
  4. Wer ist bei Ihnen üblicherweise in den Entscheidungsprozess für Anschaffungen eingebunden?
  5. Seit wann nutzen Sie unseren Service und wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?

Explorative Fragen laden die Befragten ein, ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen ausführlich zu schildern. Forschende stellen solche Fragen, um Motivationen und die Beweggründe hinter bestimmten Verhaltensweisen zu ermitteln. 

Beispielfragen: 

  1. Welche Erwartungen hatten Sie, bevor Sie unser Produkt genutzt haben?
  2. Wie haben Sie sich bei Ihrer ersten Interaktion mit unserer Marke gefühlt?
  3. Was hat Sie dazu motiviert, sich für unser Produkt und nicht für ein anderes zu entscheiden?
  4. Warum ist dieses Feature für Sie wichtig?
  5. Welche Gedanken sind Ihnen beim Navigieren auf unserer Website gekommen?

Vergleichende Fragen bitten die Befragten, Ähnlichkeiten oder Unterschiede zwischen zwei oder mehr Alternativen zu beurteilen. Forschende nutzen diesen Fragetyp, um Präferenzen, wahrgenommenen Mehrwert oder Kompromisse zu erkennen.

Beispielfragen:

  1. Wie schneidet unser Produkt im Vergleich zu anderen ab, die Sie verwendet haben?
  2. Welche Unterschiede haben Sie zwischen unserem Kundenservice und dem anderer Unternehmen festgestellt?
  3. Welche Plattform empfinden Sie als benutzerfreundlicher und warum?
  4. Worin hat sich Ihre Erfahrung mit unserem Mitbewerber von Ihrer Erfahrung mit uns unterschieden?
  5. Welche Faktoren haben Sie dazu bewogen, sich für uns und nicht für einen anderen Anbieter zu entscheiden?

Prädiktive Fragen ermöglichen es Forschenden, künftige Verhaltensweisen vorherzusagen und zu verstehen. Solche Fragen beginnen oft mit „Was würden Sie tun, wenn …“ oder „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie …“.

Beispielfragen:

  1. Was würde Sie dazu bewegen, in Zukunft wieder bei uns zu kaufen?
  2. Wie schätzen Sie, werden sich Ihre Bedürfnisse im kommenden Jahr verändern?
  3. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie [Feature/Produkt] nutzen würden, wenn wir es anbieten würden?
  4. Welche Herausforderungen erwarten Sie auf dem Weg zu Ihren Zielen und wie könnten wir Sie dabei unterstützen?
  5. Was würde Sie dazu veranlassen, unseren Service nicht mehr zu nutzen oder zu einem Mitbewerber zu wechseln?

Prozessorientierte Fragen dienen dazu, die Customer Journey (Kundenreise) nachzuvollziehen und konzentrieren sich auf den Entscheidungsprozess der Kundinnen und Kunden. Sie untersuchen die einzelnen Schritte, die eine Person unternimmt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. 

Beispielfragen: 

  1. Können Sie mir die einzelnen Schritte schildern, die Sie vor dem Kauf unternommen haben?
  2. Wie recherchieren Sie in der Regel nach Lösungen für ein solches Problem?
  3. Wie sah Ihr Entscheidungsprozess aus, als Sie zwischen mehreren Optionen wählen mussten?
  4. Welche Schritte durchlaufen Sie vom Entdecken eines Produkts bis zum Tätigen eines Kaufs?
  5. Wie führen Sie neue Tools oder Services in Ihrem Unternehmen ein?

Erfahrungsbezogene Fragen konzentrieren sich auf persönliche Erlebnisse und darauf, wie diese die befragte Person beeinflusst haben. Sie führen häufig zu ausführlichen, erzählerischen Antworten.

Beispielfragen: 

  1. Können Sie Ihre Erfahrungen bei der ersten Nutzung unseres Produkts beschreiben?
  2. Was ist Ihnen bei Ihrer Interaktion mit unserem Support-Team am meisten aufgefallen?
  3. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie im Verlauf auf [konkretes Problem oder spezifischer Moment] gestoßen sind?
  4. Was war der einprägsamste Moment im Hinblick auf Ihr Erlebnis mit unserer Marke?
  5. Können Sie uns einen Erfahrungsbericht geben, bei dem unser Service für Sie einen Unterschied gemacht hat?

Wirksame Fragen für qualitative Forschung zu formulieren und in Ihre Marktforschungsumfragen aufzunehmen, muss nicht schwierig sein. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie gezielte, offene Fragen erstellen.

Beginnen Sie in der Marktforschung mit breit gefassten qualitativen Fragen, bevor Sie dann spezifischer werden. Dadurch erhalten Sie offene, unbeeinflusste Insights von den Befragten, die unerwartete Perspektiven aufdecken und gezieltere Anschlussfragen ermöglichen.

Fragen Sie zum Beispiel in einer Fokusgruppe für eine Produkteinführung zunächst nach dem allgemeinen Eindruck. Abhängig von den Antworten können Sie gezielt nachfassen und Fragen zu bestimmten Features, den Preisen oder anderen wichtigen Aspekten stellen:

  • Was ist Ihr erster Eindruck von der neuen Produkteinführung?
  • Was gefällt Ihnen am neuen Produkt am meisten?
  • Haben Sie Vorschläge, wie das neue Produkt verbessert werden könnte?

Flexible Fragen für qualitative Forschung in Fokusgruppen ermöglichen eine umfassende Evaluierung.

Stellen Sie qualitative Fragen, die mit „Wie“ oder „Warum“ beginnen, um Erfahrungen von Menschen im Detail zu erforschen. Solche Fragen für qualitative Forschung helfen dabei, die Beweggründe, Gefühle und Verhaltensweisen hinter den Handlungen Ihrer Kundinnen und Kunden ans Tageslicht zu bringen. Beispielsweise kann die Frage, warum sich eine Person für ein Produkt entschieden hat oder wie die Person sich beim Kauf gefühlt hat, wertvolle Insights liefern.

Diese Art qualitativer Daten ist besonders wertvoll für Marketingteams. Sie kann als Grundlage für die Botschaften einer Kampagne dienen, Strategien für die Customer Experience optimieren und die Produktpositionierung auf Basis echter Kundenperspektiven verfeinern.

Vermeiden Sie bei qualitativer Forschung Ja/Nein-Fragen, da dadurch oft die Detailliertheit der Antworten eingeschränkt wird. Formulieren Sie diese Fragen stattdessen so, dass ausführlichere, differenzierte Antworten möglich sind. Zwar sind Ja/Nein-Fragen nicht grundsätzlich falsch, doch liefern offene Alternativen in der Regel fundiertere Erkenntnisse.

Statt beispielsweise zu fragen „Hat Ihnen Ihr Online-Shopping-Erlebnis heute gefallen?“, fragen Sie lieber „Wie würden Sie Ihr Online-Shopping-Erlebnis heute beschreiben?“ 

Vermeiden Sie außerdem Suggestivfragen, die durch eine vorweggenommene Antwort die Ergebnisse verfälschen können.

So setzt etwa die Frage „Wie sehr hat Ihnen heute unser exzellenter Kundenservice gefallen?“ bereits voraus, dass der Kundenservice exzellent war. Dies beeinflusst die Antworten der Befragten.

Suggestivfragen zu vermeiden, führt zu aufrichtigerem und differenzierterem Feedback.

Manchmal gehen Forschende davon aus, dass für ausführliche Antworten auch komplexe Fragen nötig sind. Das stimmt in der Regel nicht. Selbst einfache Fragen können sehr kontextreiche und detaillierte Antworten liefern. 

Machen Sie Ihre Fragen nicht unnötig kompliziert. Verwenden Sie eine klare, einfache Sprache und verzichten Sie auf Fachjargon. 

Zum Beispiel können Sie auf eine Frage wie „Warum kaufen Sie bei unserem Unternehmen ein?“ eine recht ausführliche Antwort erwarten.

Vermeiden Sie es ebenso, Fragen zu überladen oder zwei Fragen in einer zu kombinieren. Das verwirrt die Teilnehmenden und führt häufig zu unklaren oder wenig fokussierten Antworten.

Fragen Sie also nicht: „Wie war Ihre Erfahrung und wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Ihren Freundeskreis darüber informieren?“.

Der Umfang ist entscheidend beim Formulieren von Fragen für qualitative Forschung. Eine zu eng gefasste Frage kann aussagekräftige Antworten einschränken, während eine zu breit gefasste die Befragten verwirrt und zu vagen oder wenig fokussierten Antworten führt. Das Ziel ist ein ausgewogenes Mittelmaß.

Richten Sie Ihre Fragen dazu auf Ihre Forschungsziele aus und lassen Sie gleichzeitig Raum für unterschiedliche Perspektiven.

Statt also etwa zu fragen „Was halten Sie von unserem gesamten Produktsortiment?“, fragen Sie lieber „Wie hat unser neuestes Produkt Ihre Wahrnehmung unserer Marke beeinflusst?“. Dadurch behält die Frage ihren Fokus und ist gleichzeitig offen genug, um wertvolle Erkenntnisse zu generieren.

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