Tipps für Umfragen

Wie fragt man nach Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität in einer Umfrage?

Wie fragt man nach Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität in einer Umfrage?

Das Erfassen von Daten zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (SOGI) erfordert Genauigkeit und Respekt. Da es sich um sehr persönliche Informationen handelt, beeinflusst die Art und Weise, wie Sie in einer Umfrage nach dem Geschlecht fragen, sowohl die Datenqualität als auch das Vertrauen der Teilnehmenden.

Viele Teams vermischen immer noch sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität oder lassen wichtige Informationen zum Kontext weg, wodurch wertvolle Erkenntnisse verloren gehen. Da sich die Einstellungen zur Geschlechtsidentität und die identitätsbezogene Sprache ständig weiterentwickeln, ist es wichtig, Umfragen mit größter Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu entwickeln und gleichzeitig präzise Daten zu erfassen. Wer SOGI-Fragen klar, respektvoll und mit eindeutigem Zweck stellt, kann nicht nur bessere Daten erfassen, sondern zeigt den Befragten auch, dass Ihnen die Art und Weise der Fragestellung wichtig ist. 

Mit klaren Kontextbeispielen und integrierter Verzweigungslogik können Sie Umfragen erstellen, die zuverlässig und verantwortungsvoll die richtigen Daten erfassen.

Geschlechterfragen in Erhebungen werden zunehmend inklusiv, da immer mehr Forschende über die zwei klassischen Antwortoptionen hinausgehen und drei oder mehr Möglichkeiten anbieten, wie Teilnehmende sich identifizieren können. In unserem State of Surveys Report 2023 haben wir festgestellt, dass in den letzten zehn Jahren über 80 % der Geschlechterfragen nur zwei Antwortoptionen boten. Bis 2020 enthielten etwa 55 % der Umfragen drei oder mehr Auswahlmöglichkeiten, und bis 2022 lag dieser Anteil bereits bei 64 %. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie rasch sich die Einstellung zur geschlechtlichen Identität wandelt und wie wichtig es ist, dass SOGI-Fragen damit Schritt halten.

Das Wichtigste ist: Sprache rund um Identität wird sich weiterentwickeln. Und Fragen zum Geschlecht auf dem neuesten Stand zu halten, ist gut umsetzbar, wenn Sie sie flexibel gestalten. Bieten Sie deshalb mehrere Geschlechteroptionen an, lassen Sie Raum für eigene Beschreibungen und erklären Sie transparent, warum Sie diese Daten erfassen.

Demografische Fragen zum Geschlecht in einer Umfrage zu stellen, erfordert eine klare und durchdachte Strategie. Eine Frage zum Geschlecht erfasst sensible, personenbezogene Daten. Und Studien zeigen, dass schlecht formulierte Fragen zum Geschlecht die Teilnehmenden abschrecken und zu ungenauen Ergebnissen führen können.

Bevor Sie Fragen zum Geschlecht in Ihre Erhebung einfügen, nutzen Sie diesen 7-Punkte-Readiness-Test, um Ihre Bereitschaft zu ermitteln. Dieses Framework basiert auf Methoden der Umfrageforschung sowie Best Practices im Hinblick auf Vielfalt, Gleichheit und Inklusion. Es hilft Ihnen, Fragen zu stellen, die respektvoll und inklusiv sind und sich dafür eignen, präzise, umsetzbare Daten zu liefern.

Notieren Sie genau, welche Entscheidung Ihr Team auf Basis dieser Daten treffen soll. Dienen die Daten beispielsweise dazu, die Personalbeschaffung zu optimieren, die Patientenbegleitung zu verbessern oder Programme auszuwerten? Wenn Sie keinen konkreten Zweck nennen können, verzichten Sie auf eine SOGI-Frage (siehe Punkt 7). Dadurch stellen Sie Klarheit und Zielorientierung sicher und vermeiden eine spekulative Datenerhebung.

Erfahren Sie, wer die Umfrage beantwortet und wie. Amtliche Testpläne zeigen, dass Schwierigkeiten entstehen, wenn eine Person im Haushalt stellvertretend für eine andere Person antwortet (Stellvertreterauskunft). Verzichten Sie bei Jugendlichen möglichst auf solche Stellvertretungen; stellen Sie SOGI-Fragen stattdessen altersgerecht und mit einer klaren Begründung. Die Tests des U.S. Census Bureau umfassen u.a. Stellvertreterauskunft und Jugendbeteiligung. Entwickeln Sie Ihre Methodik deshalb so, dass Fehler durch Stellvertretende möglichst minimiert werden.

Erklären Sie den Teilnehmenden klar und deutlich, was Sie fragen, warum es relevant ist, wie die Antworten gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Offizielle Empfehlungen sehen eine kurze, verständliche Erklärung sowie die Möglichkeit vor, die Frage zu überspringen oder „Keine Angabe“ zu wählen. (Beispiel-Formulierungen finden Sie weiter unten in diesem Artikel.)

Teams gehen oft davon aus, dass SOGI-Fragen „zu sensibel“ seien. Doch Daten aus amtlichen statistischen Umfragen zeigen, dass die Nichtbeantwortung einzelner Fragen bei SOGI-Fragen in der Regel geringer ist als bei anderen sensiblen Themen. Das sind gute Nachrichten für die Datenqualität und ein hilfreiches Argument gegenüber internen Stakeholdern.

Wenn Ihre Umfrage sehr kleine Untergruppen umfasst, prüfen Sie die Ergebnisse besonders sorgfältig. Kombinieren Sie kleine Kategorien oder blenden Sie Fallzahlen aus, damit niemand identifiziert werden kann. Amtliche Forschung empfiehlt, klare Unterdrückungsregeln festzulegen, bevor Sie Ihre Umfrage starten, um das Re-Identifikationsrisiko zu minimieren.

Stimmen Sie Ihre Umfragepläne mit der Rechts- und Kommunikationsabteilung sowie der zuständigen Stelle für Vielfalt, Gleichheit und Inklusion ab. Geben Sie der Belegschaft kurze, leicht verständliche Skripte und klare Handlungsanweisungen für den Umgang mit Fragen. Das Multi-Regional Clinical Trials Center (MRCT) bietet eine SOGI-Checkliste, die als praxisnahes Modell für Forschungs- und Klinikteams dient.

Erfassen Sie nur Daten, die Sie für eine bessere Entscheidungsfindung oder zur Optimierung von Services nutzen können. Wenn Sie noch nicht bereit für die Analyse sind, verschieben Sie die Frage auf einen späteren Zeitpunkt. (Einen übersichtlichen Entscheidungsbaum finden Sie weiter unten.)

Sobald Sie die Readiness-Checkliste durchgearbeitet haben, können Sie Ihre Umfrage erstellen. Diese Best Practices zeigen, wie Sie inklusive SOGI-Fragen formulieren, strukturieren und stellen, um Vertrauen und verlässliche Daten zu gewinnen. Zu jedem Punkt finden Sie beispielhafte Formulierungen, die Sie direkt in Ihr Projekt übernehmen können.

Sprache wandelt sich schnell, und Ihre Umfragesprache sollte diesen Wandel widerspiegeln. Begriffe wie „nicht-binär“ oder „transgender“ sind weithin anerkannt und lassen sich in den meisten aktuellen amtlichen und wissenschaftlichen Umfragen finden. Vermeiden Sie veraltete oder ausschließende Bezeichnungen wie „Sonstige“. Formulieren Sie Ihre Fragen stattdessen so, dass sie aktuelle inklusive Sprache abbilden und Raum für authentische Selbstbezeichnungen lassen.

Beispielfrage:

Welche der folgenden Optionen beschreibt Ihre Geschlechtsidentität am besten?

  • Frau
  • Mann
  • Nicht-binär
  • Möchte ich selbst beschreiben: ____
  • Möchte ich nicht angeben

Diese Antwortoptionen für die Geschlechterfrage nutzen aktuelle, respektvolle Begriffe und halten die Auswahl flexibel. Sie bieten somit eine inklusive Umfrageerfahrung.

Nicht alle Personen lassen sich eindeutig in die vordefinierten Kategorien zur Geschlechtsidentität einordnen. Eine Option wie „möchte ich selbst beschreiben“ zeigt Teilnehmenden, dass ihre Identität anerkannt wird, auch wenn keine der vorgegebenen Bezeichnungen passt. Darüber hinaus erhalten Sie wertvolle qualitative Rückmeldungen, um künftige Umfragen weiter zu verbessern.

Beispielfrage:

Welche sexuelle Orientierung haben Sie?

  • Heterosexuell
  • Schwul oder lesbisch
  • Bisexuell
  • Pansexuell
  • Möchte ich selbst beschreiben: ____
  • Möchte ich nicht angeben

Die Befragten können ihre Identität in eigenen Worten ausdrücken, was sowohl das Wohlbefinden als auch die Vollständigkeit der Daten erhöht.

Bei den beiden handelt es sich um unterschiedliche Konzepte, die niemals in einer einzigen Frage kombiniert werden sollten. Werden sie zusammengefasst (zum Beispiel: „Identifizieren Sie sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender?“), müssen sich die Befragten auf eine Bezeichnung festlegen, die sie möglicherweise nicht angemessen repräsentiert. Separate Fragen sorgen für genauere Daten und eine bessere Umfrageerfahrung.

Beispiel (bessere Herangehensweise):

Welche sexuelle Orientierung haben Sie?

  • Heterosexuell
  • Schwul oder lesbisch
  • Bisexuell
  • Pansexuell
  • Möchte ich selbst beschreiben: ____
  • Möchte ich nicht angeben

Sehen Sie sich selbst als transgender?

  • Ja
  • Nein
  • Möchte ich nicht angeben

Durch getrennte Fragen können die Befragten sowohl ihre geschlechtliche Identität als auch ihre sexuelle Orientierung präzise angeben, was zu klareren Erkenntnissen führt.

Ein inklusiver Entwurf endet nicht mit der Formulierung der Fragen. Features wie Verzweigungs- und Anzeigelogik sorgen dafür, dass den einzelnen Teilnehmenden nur relevante Fragen gestellt werden und unnötige Irritation vermieden wird. Wenn sich eine Person etwa als nicht-binär bezeichnet, sollten ihr keine Fragen angezeigt werden, die sich ausschließlich auf männliche oder weibliche Kategorien beziehen.

Beispiel-Setup:

Wenn eine Person „Nicht-binär“ auswählt, gestalten Sie die Umfrage so, dass alle ausschließlich männlich/weiblich bezogenen Fragen übersprungen werden und der nächste relevante Abschnitt angezeigt wird.

Ein individuell angepasstes Umfragerouting respektiert die Identität aller Personen, reduziert Ermüdung und erhöht die Abschlussquoten.

In amtlichen Umfragen beantworten Menschen in der Regel Fragen zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Die Nichtbeantwortungsquote ist hier niedriger als bei Fragen zu Einkommen oder Verdienst. Forschungen und offizielle statistische Empfehlungen zeigen, dass Klarheit, Freiwilligkeit und ein klarer Zweck die Beantwortung solcher Fragen fördern. Nutzen Sie diese Erkenntnis, um mit Ihren Führungskräften und Prüfenden Erwartungen festzulegen, und nehmen Sie die Botschaft in Ihre Planung auf: Fragen Sie selbstbewusst und erklären Sie den Grund.

Potenziell identifizierbare Informationen können sowohl Ihre Ergebnisse als auch die Erfahrung der Befragten beeinflussen. Geben Sie klar an, warum Sie bestimmte Angaben benötigen, damit die Teilnehmenden sicher sein können, nicht identifiziert zu werden. Nutzen Sie anonyme Collectors, beschränken Sie den Zugriff auf Rohdaten und unterdrücken Sie Kleinstgruppen in den Ergebnissen.

Ist die Umfrage anonym, sollten Sie dies gleich zu Beginn erwähnen, um das Vertrauen der Befragten zu stärken. Ebenso wichtig ist es, transparent zu machen, wie alle SOGI-Daten gespeichert werden und wer Zugang zu den Ergebnissen hat. Offizielle Best Practices und Empfehlungen wie die Evidence Agenda on LGBTQI+ Equity betonen die Bedeutung von klarer Sprache, Transparenz und Freiwilligkeit, um Bedenken zu minimieren.

Fügen Sie vor Fragen zu Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität eine kurze, leicht verständliche Einleitung ein. Erklären Sie, warum Sie die Angabe erfragen, wie die Daten verwendet werden und dass die Beantwortung freiwillig ist.

„Die folgenden Fragen helfen uns, die Ergebnisse gruppenübergreifend zu verstehen. Die Beantwortung ist freiwillig und Ihre Angaben werden vertraulich behandelt. Wir verkaufen keine persönlichen Daten, und es werden nur zusammengefasste, anonymisierte Ergebnisse weitergegeben.“

„Diese freiwillig zu beantwortenden Fragen helfen uns, Chancengleichheit in Programmen und Leistungen zu bewerten. Die Ergebnisse werden nur in zusammengefasster Form berichtet.“

„Wir stellen diese freiwillig zu beantwortenden Fragen, um eine respektvolle und angemessene Betreuung zu gewährleisten. Teilen Sie uns nur mit, womit Sie sich wohlfühlen.“

(Falls Ihre Umfrage auch von Minderjährigen beantwortet wird, fragen Sie zunächst nach dem Alter und blenden Sie SOGI-Fragen je nach Richtlinie aus oder leiten Sie die Umfrage zu einer Einwilligung der Erziehungsberechtigten weiter.)

Kombinieren Sie diese Hinweise mit Ihren Anonymitätseinstellungen und Informationen zum Datenzugriff, damit die Teilnehmenden genau wissen, wie ihre Privatsphäre geschützt wird.

Auch wenn Sie die Daten nutzen möchten, sollten Sie überprüfen, ob SOGI-Fragen wirklich aus gutem Grund notwendig sind. Gibt es keinen klaren Anwendungsfall für diese Daten im Hinblick auf Entscheidungen, ist es oft besser, auf SOGI-Fragen zu verzichten. 

Für Ihre Studie können rechtliche oder regulatorische Einschränkungen gelten. Bei sehr kleinen Untergruppen besteht zudem ein hohes Re-Identifikationsrisiko, sodass Sie sensible demografische Informationen nicht sicher aggregieren können. In solchen Fällen gilt: Gestalten Sie die Datenerhebung immer mit Blick auf minimalen Schaden. 

Für weitere Informationen zu Schulungen und Richtlinien empfiehlt sich das Merkblatt der Human Rights Campaign. Die Empfehlungen des Office of Management and Budget (OMB) bieten einen Überblick über offizielle Anforderungen.

Wenn Sie Fragen zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität respektvoll stellen, die beiden Bereiche trennen, Ihre Zielsetzung transparent machen und die Privatsphäre der Befragten mit durchdachten Maßnahmen schützen, resultieren daraus am Ende bessere Daten und bessere Entscheidungen. Mit diesen Tipps zu Fragen rund um sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität in Erhebungen können Sie die benötigten Daten erfassen und zugleich die Privatsphäre sowie Identität der Teilnehmenden achten.

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