TEDxBerlin: Ein Event, verschiedene Blickwinkel

TEDxBerlin15_Zuschauer_Zeit ist bekannterweise relativ. So können sich 18 Minuten quälend lang anfühlen – beim Warten auf die Bahn oder in einem trockenen Geschäftsmeeting zum Beispiel. Wie kurzweilig diese Zeiteinheit daherkommen kann, zeigte sich gestern im CityCube auf dem Berliner Messegelände; genauer gesagt: Auf der Konferenz TEDxBerlin. Hier bekamen elf Redner aus verschiedenen (wissenschaftlichen) Disziplinen die Möglichkeit, innerhalb der besagten 18 Minuten einen Vortrag zum diesjährigen Oberthema „xponential change“ zu halten – und zwar so unterhaltsam und verständlich wie möglich und nötig.

Aber was genau bedeutet „xponential change“? „Wir wollen verstehen, inwiefern Technologie die Form unseres Zusammenlebens verändert und insgesamt unser Leben beeinflusst“, erklärt Veranstalter Stephan Balzer, der den Berliner Ableger der Veranstaltungsreihe bereits zum sechsten Mal auf die Beine stellt.

Künstliche Intelligenz ist seit langem ein beliebtes Thema der Science-Fiction – häufig kommt sie als Horror-Vision daher. Corry Kidd, Gründer und CEO des Healthcare-Technology-Unternehmens Catalia Health, zeigte hingegen, wie hilfreich solche Entwicklungen besonders für das Gesundheitswesen sein können. Im Gegensatz zu Apps, die beispielsweise Patienten an die regelmäßige Einnahme ihrer Medikamente erinnern sollen oder ihren Gesundheitszustand abfragen, wirken kleine Roboter effektiver: Über die persönliche Ansprache dieser elektronischen Helfer – mit Kopf und Augen ein wenig vermenschlicht –, entsteht häufig eine Art emotionaler Bindung. Die laut Kidd häufig darin gipfelt, dass die Roboter einen persönlichen Namen oder zum Beispiel einen Hut aufgesetzt oder Schal umgebunden bekommen. Dadurch beschäftigen sich Patienten zuverlässiger mit dieser Form von Healthcare-Tech und somit auch mit ihrer eigenen Gesundheit.

Dominic Stühler war sein Leben lang ein Bücherwurm und -Sammler. Bis er vor drei Jahren merkte, dass er sich in seinem ortsgebundenen Lebensentwurf eingezwängt fühlte und darüber nachdachte, wie er dem entgegensteuern könnte. Und sich schließlich dazu entschied, zum digitalen Nomaden zu werden – inklusive einem Leben ohne Papier. Schließlich wurde Stühler seine Bücher los, scannte seine wichtigsten Dokumente ein und kommuniziert nur noch in digitaler Form. Denn: „Ein Leben ohne Papier bedeutet Freiheit“, so Stühler. Die Freiheit, in einem Café in Berlin oder auf einem Katamaran in Südostasien zu arbeiten – einen Internetanschluss vorausgesetzt –, die Freiheit, jeden Tag eine neue Entscheidung über den eigenen Verbleib treffen zu können. Und dabei noch die Umwelt zu schützen.

TEDxBerlin15_AndrewKeen1_Andrew Keen kann diesem Lebensstil nicht viel abgewinnen. „Zunächst einmal: Ich liebe Papier“, begann der Internet-Kritiker und Autor, laut dem GQ-Magazin einer der 100 am besten vernetzten Menschen der Welt. Und startet mit einer Polemik gegen die seiner Meinung nach all zu positive Sicht des Technologie-Einflusses – insbesondere wenn es um politische Strukturen ginge. „Technologie hat weder den Zugang zu Macht, noch die Politik an sich verändert.“ Weshalb es seiner Meinung nach wichtiger wäre, ganz analog neue politische Ansätze zu entwickeln, die zu mehr Demokratie führen, anstatt die Politik dem Tech-Dogma, das unter anderem nach mehr Effizienz verlangt, zu unterwerfen. „Unsere Aufgabe ist nun, herauszufinden, wie man dem Mensch an sich wieder mehr Bedeutung zumisst – und das in einer Welt, in der er sich selbst marginalisiert hat.“

Ob die aus Nordkorea geflüchtete Autorin Hyeonseo Lee darüber berichtet, in welcher Weise technologische Neuerungen wie Mini-Drohnen das Informationsvakuum in ihrem Heimatland langsam aufweichen, Wissenschaftler Toby Walsh über die Gefahren von sogenannten Killer-Robotern warnt oder Karsten Becker aufzeigt, wie man sich auch als Privatunternehmen an der Raumfahrt beteiligen kann: Am Ende des Tages quillt der Kopf nur so über an Ideen, Innovationen, Möglichkeiten. Und einmal mehr bestätigt sich, wie wichtig es ist, komplexe Themen aus so vielen Blickwinkeln wie möglich zu beleuchten. So leicht wie auf den TEDx-Veranstaltungen wird einem das selten gemacht.

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