Zufallsstichproben: Zwischen Ideal und Realität

hatDu hast die gesamte Vorarbeit schon geleistet und eigentlich kannst Du Deine Umfrage nun verschicken – die Frage ist nur: An wen?

Mit Stichproben haben wir uns ja schon auf diesem Blog beschäftigt. Die beste Art, Stichproben zu erhalten, sind Zufallsstichproben.

Aber was sind Zufallsstichproben?

Bei Zufallsstichproben hat jede Person innerhalb der anvisierten Population die Chance, als Stichprobe ausgewählt zu werden und jede Person, die schlussendlich ausgewählt wird, wurde zufällig ausgewählt. Der Vorteil: Es findet keine Verzerrung statt, da keine Teilnehmer anderen bewusst vorgezogen werden. Und Du kannst Dir sicher sein, dass Deine Ergebnisse mit dem übereinstimmen, was Deine Population tatsächlich denkt.

Wie Du Dir nun praktisch Zufallsstichproben vorstellen kannst? Nun, stelle Dir einfach vor, jemand würde mehrere Papierstreifen in einen Hut werfen – und auf jedem Streifen stünde ein Name. Jeder Name hätte nun dieselbe Chance, aus dem Hut gezogen zu werden. Das ist die Zufallskomponente an diesem Stichprobentyp.

Wie Du nun eine Zufallsstichprobe Deiner Umfrage-Teilnehmer bekommst?

Du kannst …
1. Zufällig ausgewählte Personen an zufällig ausgewählten Orten zu zufällig ausgewählten Zeiten ansprechen
2. Zufällig ausgewählte Telefonnummern an zufällig ausgewählten Zeitpunkten anrufen
3. Briefe an zufällig ausgewählte Adressen in zufällig ausgewählten Regionen verschicken
4. Eine Online-Umfrage an zufällig ausgewählte Email-Adressen versenden.

Aber da ergibt sich ein Problem …

Wenn wir noch einmal an das Beispiel mit dem Hut denken: Haben tatsächlich alle Papierstreifen dieselbe Chance, herausgezogen zu werden? So gut wie niemand nimmt den Papierstreifen, der zuoberst liegt. Die meisten wühlen ein wenig in dem Hut herum und wählen einen Streifen aus, der sich irgendwo in der Mitte befindet. Somit haben die Papierstreifen, die oben liegen, keine faire Chance …

Ein ähnliches Problem ergibt sich bei Umfragen …

1. Die Leute, die Du zufällig auswählst, wählst Du nicht wirklich zufällig aus – unbewusst triffst Du doch eine Entscheidung. Zudem verzerrst Du auch die Umfrage, weil es an Dir liegt, wer tatsächlich stehen bleibt und an der Umfrage teilnimmt und welche Antworten gegeben werden. Wie wir das meinen? Nun, stell Dir einmal vor, Kanye West stünde an einer Straßenecke und würde potenzielle Teilnehmer ansprechen – und dann stelle Dir dasselbe mit Deiner Großmutter vor. Na, überzeugt?
2. Leute, die an Umfragen am Telefon oder per Brief teilnehmen, sind heutzutage nur noch eine Randgruppe und somit nicht repräsentativ.
3. Diese drei Methoden (Teilnehmer persönlich/ telefonisch/ postalisch ansprechen) sind sehr zeitintensiv und teuer
4. Wenn Du Deine Umfrage per Mail verschickst, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Deine Mails im Spamordner landen und Deine potenziellen Teilnehmer Deine Umfrage somit nie zu Gesicht bekommen.

Wie Du mit diesen Problemen umgehst?

In einer perfekten Welt hätte jede einzelne Person innerhalb Deiner Population dieselbe Chance ausgewählt zu wählen. In der Praxis ist das leider nicht möglich. Bei Umfragen musst Du somit eine Balance zwischen Deinem Ideal und der realen Umsetzungsmöglichkeit finden. Wir nennen das Quasi-Zufallsstichproben. Hier ein paar Tipps dazu:

1. Wenn Du einen bestimmten Stichprobenrahmen hast, kannst Du einen Zufallsgenerator erstellen, um die Teilnehmer auszuwählen. (Wie das geht? Das haben wir hier erklärt).
2. Falls Du keinen bestimmten Stichprobenrahmen hast, solltest Du die Leute, die Fremde auf der Straße ansprechen, damit sie an Deiner Umfrage teilnehmen, variieren. Und zwar nicht nur Kanye und Deine Großmutter, sondern auch Leute dazwischen … so beugst Du einer Verzerrung Deiner Daten entgegen.
3. Maile Deine Umfrage, rufe Deiner Teilnehmer in Spe an, verschicke sie per Post und spreche Leute an. Je verschiedener Du die Menschen innerhalb Deiner Population ansprichst, um mehr näherst Du Dich Deinem Ideal der Zufallsstichprobe an.
4. Poste Deine Umfrage auf ganz verschiedenen Webseiten und unterschiedlichen Zielgruppen. Schließlich sprichst Du auf politischen Blogs vermutlich eine andere Leserschaft an als auf Fashion-Blogs. Und Du erreichst mehr Menschen als über Mails, die wahrscheinlich eh in Spam-Ordnern landen.

Hast Du noch Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema? Dann hinterlasse uns doch einen Kommentar oder kontaktiere uns via Twitter.

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