Verscherze es Dir nicht mit der Varianz!

Die Firmenfeier ist vorbei. Alle Kollegen haben sich den Vorabend frei genommen, um das Jubiläum eures Unternehmens zu feiern. Und Du, als Organisatorin dieses Abends, fragst Dich nun, ob wohl alle einen unterhaltsamen Abend hatten. Bei einigen Deiner Kollegen bist Du Dir sicher; andere schienen sich unwohl gefühlt zu haben – so ist zumindest Dein Eindruck.Um sicher zu gehen, dass die nächste Firmenfeier wirklich allen gefällt, beschließt Du über eine Umfrage heraus zu bekommen, ob sich alle amüsiert haben.

Die erste Frage, die Dir dazu einfällt, lautet:

"Ende" Computer Key

Warum das keine gute Frage ist? Diese Fragestellung bietet nicht genügend Antwort-Varianten. Varianz bestimmt darüber, wie weitgefächert Deine Antworten sind bzw. was für eine Bandbreite die Antworten Deiner Teilnehmer beinhalten. Bei der ersten Frage gibt es jedoch nur zwei Antwort-Kategorien: Ja und Nein.

Was das heißt? Varianz bietet Dir mehr Informationen darüber, wie Leute denken, fühlen oder sich verhalten. Je mehr Varianz Du hast, um so detaillierter ist das Bild, das Du Dir davon machen kannst, wie es im Kopf einer Person zugegangen ist, als sie diese Frage beantwortet hat. Es gibt zwei Hauptgründe, warum Ja/Nein-Fragen genau das verhindern:

1. Es berücksichtigt nicht die Teilnehmer, die dazwischen stehen. Das sind diejenigen, die keine Extreme mögen. Also die, die sich bei Eiscreme nicht zwischen Vanille und Schokolade entscheiden können. Diese Teilnehmer haben Deine Party weder geliebt noch gehasst, sondern fanden sie einfach ok. Wenn Du solchen Teilnehmern eine Ja/Nein-Antwortmöglichkeit anbietest, werden sie die Umfrage wahrscheinlich mittendrin abbrechen. Das verzerrt Deine Ergebnisse.

2. Außerdem berücksichtigt das nicht die tatsächlichen Nuancen, die es nun einmal bei Meinungen gibt. Meinungen sind selten schwarz oder weiß – sie bewegen sich meistens in verschiedenen Grautönen. Dein Chef mochte die Party vielleicht, aber nicht besonders. Deine Lieblings-Kollegin hingegen fand hingegen, dass das die beste Firmenparty gewesen sei, auf der sie jemals war. Sowohl die zaghaft positive Beurteilung Deines Chefs als auch die euphorische Deiner Lieblings-Kollegin würden unter „Ja“ fallen. Somit würden die Ergebnisse, die auf dieser Fragestellung basieren, nicht hilfreich sein, um die allgemeine Stimmung wirklich aufzufangen.

Diejenigen unter euch, die unseren Blog regelmäßig lesen, haben wahrscheinlich schon mitbekommen, dass Ja/Nein-Antworten vermieden werden sollten und sich Likert Skala-Fragen viel besser anbieten.

Deshalb stellst Du Deine Frage darauf basierend vielleicht so:

"Ende" Computer Key

Problem gelöst? Leider noch nicht ganz. Du hast leider einen kleinen Fehler begangen. Wenn Du Dich an Deine Daten-Analyse setzt, wirst Du Dich entscheiden, jeweils die zwei oberen und die drei unteren zu kombinieren, um einen Anhaltspunkt zu bekommen, ob Deine Teilnehmer die Party mochten oder nicht.

Somit sieht Deine Fragestellung eigentlich so aus:

"Ende" Computer Key

Das vermeidet zwar die erste Schwachstelle von Ja/Nein-Antworten, aber dafür fällt sie im zweiten Teil durch: Du bist all die Varianz in den Antworten, die Du Dir erarbeitet hast, wieder los.

Bist Du immer noch nicht davon überzeugt, dass Du auf Varianz achten solltest? Na, dann lies weiter, lieber Umfragen-Freund!

1. Auf Deine Varianz zu achten garantiert Dir, auch die Verteilung Deiner Antworten vor Augen zu haben. So findest Du zum Beispiel heraus, dass alle Deine Teilnehmer die Party wirklich richtig super fanden oder dass die meisten sie vollkommen ok fanden und sie nur ganz wenige wirklich gar nicht mochten. Oder dass sich alle Meinungen komplett unterscheiden.

2. Es lässt Dich detaillierter analysieren. Lass uns zum Beispiel sagen, dass das Problem an Deiner Party war, dass sie eher auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten war. Wenn sowohl Dein (etwas älterer Chef) als auch Deine 20-Jährige Kollegin Ja ankreuzen, bleibt völlig im Unklaren, warum Deine Party ein (Miss-)Erfolg war.

Möchtest Du einen klareren Anhaltspunkt? Kein Problem, Du musst hier nur ein wenig einfache Statistik anwenden und die Bedeutung der Antworten errechnen. Das geht ganz einfach, indem Du die Antworten durch nummerische Werte belegst:

"Ende" Computer Key

Alles, was Du dann noch machen musst, ist den Durchschnittswert Deiner Antworten zu ermitteln – et voilà! Hier hast Du eine Durchschnittsbewertung Deiner Party!

Ein kleiner Hinweis zum Thema Bedeutung: Wenn Du einen Durchschnittswert ermittelst und Deine Antwortmöglichkeiten tatsächlich Beschreibungen sind, muss das beinhalten, dass der Abstand zwischen den einzelnen Antwortmöglichkeiten immer derselbe ist. Also müssen „extrem gelungen“ und „sehr gelungen“ in ihrer Aussage genauso weit voneinander entfernt sein wie „gelungen“ und „wenig gelungen“.

Wollt ihr mehr Tipps zum Thema Likert-Skala? Hinterlasst uns doch eine Nachricht im Kommentarfeld!

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Ein Kommentar

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