Gute Umfragen sind wie gute Unterhaltungen

tipps gelbUmfragen und Unterhaltungen sind eigentlich gar nicht so verschieden – Umfragen sind nur ein wenig einseitiger: Einer stellt die Fragen, der andere beantwortet sie. Was gelungene Umfragen und Unterhaltungen gemeinsam haben, ist ihr natürlicher Flow. Doch was musst Du beachten, damit Deine Umfrage-Teilnehmer das Gefühl haben, Teil einer Konversation zu sein?

Die typischen Fehler, die verhindern, dass eine Umfrage denselben angenehmen Flow wie eine gute Unterhaltung entwickeln kann, fallen fast immer in eine der beiden folgenden Kategorien:

 

Reihenfolge der Fragen

Deine Fragen sollten so angeordnet werden, dass sie in dieser Reihenfolge auch Sinn ergeben. Am besten startest Du Umfragen mit Fragen, die einfach zu beantworten und nicht allzu persönlich sind. Inhaltlich verwandte Fragen sollten auch hintereinander gestellt werden. Stell zudem sicher, dass durch Deine Anordnung nicht versehentlich die Ergebnisse der Umfrage verzerrt werden.

Frage-Stil

Stelle Deine Frage in einem möglichst kommunikativen Tonfall. Verdeutliche außerdem wirklich alles, was unklar oder verwirrend klingen könnte. Daneben ist es wichtig, die goldene Mitte zwischen einem persönlichen und einem formalen Tonfall zu treffen: So gehst Du sicher, dass sich Deine Teilnehmer zwar wohl fühlen, Deine Umfrage aber trotzdem ernst nehmen.

Vereinfachen wir doch unsere Ratschläge mit einer Beispielsgeschichte: Dem ersten Date von Christian und Mareike.

Anordnung der Fragen

Als sich Christian und Mareike in einem Café treffen und er sich zu Beginn erkundigt, wie es ihr geht, antwortet sie: „Gut! Und wie viel verdienst Du im Jahr?“ Christian ist verdutzt und weiß gar nicht, wie er darauf antworten soll.

Was diese Geschichte mit Deiner Umfrage zu tun hat? In Umfragen kannst Du genauso wenig wie in Unterhaltungen direkt mit der Tür ins Haus fallen – und Fragen stellen, die zu persönlich oder sensibel sind. Zuerst solltest Du eine Verbindung mit Deinen Teilnehmern aufbauen und die sensibleren Fragen für das Ende Deiner Umfrage aufsparen. Dann kannst Du am ehesten davon ausgehen, dass Deine Teilnehmer die Umfrage nicht abbrechen.

Christian erzählt Mareike widerstrebend, wie viel er verdient. Daraufhin fragt sie ihn, welche seine Lieblingsblumen sind, wie viel Sport er treibt, ob er jemals von einem Stinktier angesprüht wurde und ob er an eine bessere Welt glaubt. Christian ist verwirrt, fragt sich, warum sie all das innerhalb von so kurzer Zeit von ihm wissen will und schielt langsam aber sicher zur Tür. Auf mehr solcher merkwürdigen Fragen hat er echt keine Lust.

Was das mit Deiner Umfrage zu tun hat? Ganz einfach: Stell sicher, dass Deine Einstiegsfragen etwas mit dem Thema Deiner Umfrage zu tun haben. Wenn Teilnehmer eine Umfrage über Autos beginnen, sie aber zu Beginn über ihre politische Meinung ausgefragt werden, brechen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ab. Und wenn Teilnehmer mit einer Reihe unzusammenhängenden Fragen bombardiert werden, verwirrt sie das nur. Umfrage-Fragen sollten somit aufeinander aufbauen. Ein einfacher Weg ist, verwandte Fragen zusammen zu stellen: Anstatt erst Autos zu thematisieren, anschließend Social Media, Flugzeuge und dann das Fernsehprogramm, könntest Du die Transport- und die Medien-Fragen jeweils bündeln.

Christian denkt nun darüber nach, ob er an eine bessere Welt glaubt. Und überlegt, ob Mareike ihn das wegen seines nicht besonders hohen Einkommens fragt – und ihn vielleicht für einen idealistischen Spinner hält, der keine Familie ernähren kann? So überlegt er, wie er bei einer ihrer nächsten Fragen seine Bodenständigkeit beweisen kann.

Was das mit Deiner Umfrage zu tun hat? Nun, vorhergegangene Fragen können die Antworten der folgenden beeinflussen. Deine Teilnehmer wählen ihre Antworten häufig mit den Fragen, die sie zuvor beantwortet haben, im Hinterkopf aus. Das ist besonders dann der Fall, wenn Du zu Beginn Deiner Umfrage demografische Fragen stellst – also Fragen nach Alter, Einkommen, Geschlecht etc. In zahlreichen psychologischen Studien wurde festgestellt, dass es wirklich keine gute Idee ist, demographische Fragen gleich zu Beginn einer Umfrage zu stellen, weil sich dadurch nicht nur die Antworten auf die folgenden Fragen verändern, sondern sich sogar mathematische und sprachliche Leistungen der Teilnehmer verschlechtern können.

Fragen-Formulierung

Mareike hat ihren Fragenkatalog noch nicht abgearbeitet – und fragt Christian, ob sein Chef gut sei. Christian hat mal wieder keinen Schimmer, wie er darauf antworten soll. In welchem Sinne meint sie gut? Auf seine Leistung bezogen? Charakterlich? Oder insgesamt? Mareike antwortet: „Na, ich meine, wie gut er Dich und Deine Kollegen führt.“

Was das mit Deiner Umfrage zu tun hat? Tja, hier sprechen wir einen Punkt an, in dem sich Umfragen doch ein wenig von normalen Unterhaltungen unterscheiden: In Unterhaltungen kannst Du jederzeit nachhaken, wenn Du Dir nicht sicher bist, was Dein Gegenüber genau meint. In Umfragen gibt es keinen Raum für Zwischenfragen. Es gilt nur das, was in der Umfrage selbst steht. Das bedeutet für Dich, dass Du Deine Umfragen so klar und deutlich wie möglich formulieren musst, damit Deine Teilnehmer sie auch exakt – und für Dich verwertbar – beantworten können.

Fragen-Inhalt

Mareikes nächste Frage verwirrt Christian am allermeisten. Ob er auch so gerne Ocimum basilicum mag? Er schaut sie fragend an und verliert langsam aber sicher komplett seinen Glauben an den Sinn dieser Konversation. Mareike schlägt sich vor den Kopf: „Ach, ich hatte ganz vergessen, dass ja nicht jeder Botanik studiert hat. Ich meinte, ob Du auch diese grüne Pflanze magst, die man auf Mozzarella und Tomate tut.“ Christian wird langsam patzig und entgegnet: „Du hättest ja einfach mal fragen können, ob ich Basilikum mag .“

Was das mit Deiner Umfrage zu tun hat? Nun, einerseits musst Du bedenken, dass nicht jeder Teilnehmer Dich versteht, wenn Du Dich zu speziell ausdrückst. Anderseits kommt es auch nicht besonders gut an, wenn Deine Wortwahl bemüht einfach ist. Schließlich soll keiner denken, dass Du ihn für dumm hältst. Somit liegt die ideale Balance bei einem unterhaltsamen Tonfall, der zugleich einen offiziellen Anklang hat: Einfach genug ausgedrückt, um von allen verstanden und zugleich professionell genug, um ernst genommen zu werden.

Umfragen sind schließlich trotz allem Spaß, den man mit ihnen haben kann, eine ernste Angelegenheit. Es ist wunderbar, wenn Deine Teilnehmer gerne an Deinen Umfragen teilnehmen – aber sie sollten trotzdem nicht das Gefühl vermittelt bekommen, dass es egal sei, wie sie auf Deine Fragen antworten.

Hattest Du Probleme dabei, Deine Umfragen wie eine Unterhaltung zu strukturieren? Brauchst Du noch mehr Tipps? Teile es uns mit – und poste einen Kommentar!

Tags: , ,

Inspiriert? Mach Deine eigene Umfrage!

Inspiriert? Mach Deine eigene Umfrage!

4 Kommentare

  1. […] haben nun auf diesem Blog viel Zeit darauf verwandt, euch zu vermitteln inwiefern eine gute Umfrage wie eine gute Unterhaltung funktioniert. Nun, in diesem Beitrag schränken wir diese These wieder ein wenig ein. Denn manchmal tappen User, […]

  2. […] wir ja schon einmal auf diesem Blog festgestellt haben, funktioniert eine gute Umfrage wie eine gute Unterhaltung: Eine Person stellt Fragen, eine andere beantwortet sie. In einem mündlichen Gespräch würden wir […]

  3. […] wir schon einmal festgestellt haben, funktionieren gute Umfragen wie Unterhaltungen. Das heißt, dass es gewisse Kommunikations-Grundregeln gibt, die sowohl für Unterhaltungen als […]

  4. […] Umfragen funktionieren, wie wir ja schon öfter erwähnt haben, wie Unterhaltungen. Somit würde eine gute Umfrage das Thema wechseln, wenn klar wird, dass die Fragen nicht auf den jeweiligen Teilnehmer zutreffen. Wie Du das bei Entwerfen Deiner Umfrage anstellen sollst? […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar für - SurveyMonkey Germany